Energie Campus Nürnberg geht an den Start
Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung und Übergabe der ersten Förderbescheide durch Ministerpräsident Horst Seehofer, Staatsminister Martin Zeil und Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch
Nürnberg 10. Mai 2011: Mit der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung und der
Übergabe der ersten Förderbescheide durch Ministerpräsident Horst Seehofer, Staatsminister Martin Zeil und Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch fiel am 10. Mai. 2011 der offizielle Startschuss für den Energie Campus Nürnberg, kurz EnCN.
„Vor über einem Jahr haben wir den Niedergang der Quelle in Nürnberg betrauert. Heute entsteht in der Frankenmetropole mit Mitteln des Freistaates ein Forschungscampus für Spitzentechnologien rund um das Thema Energieeffizienz und Klimaneutralität“, freut sich Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly. „Bis zum heutigen Tag musste eine Menge ‚Kleingedrucktes‘ behandelt werden und ich bin unserem Wirtschaftsreferenten ausgesprochen dankbar dafür, dass er unermüdlich an diesem Projekt gearbeitet hat.“ Berufsmäßiger Stadtrat Dr. Roland Fleck hatte an der Spitze der Nürnberger Wirtschaftsförderung gemeinsam mit Professoren der beteiligten Wissenschaftseinrichtungen das Konzept bereits vor drei Jahren entwickelt und für die Finanzierung und Realisierung des EnCN gekämpft. Dr. Fleck sieht den Energie Campus Nürnberg als weiteren wichtigen Baustein in der Nürnberger Wirtschafts- und Strukturpolitik. „Mit dem Energie Campus Nürnberg setzen wir auf den gezielten Ausbau unserer technologischen und wirtschaftlichen Kernkompetenzen in einem klar definierten Zukunftsthema“, so Fleck als Leiter des EnCN-Lenkungsausschusses.
Im Energie Campus Nürnberg arbeiten die Forschungseinrichtungen Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg, die Fraunhofer-Gesellschaft mit ihren Instituten für Integrierte Schaltungen IIS und für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB sowie das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung e.V. (ZAE Bayern) in einer deutschlandweit einmaligen Kooperation zusammen. Mitinitiatoren des EnCN sind die Stadt Nürnberg, die IHK Nürnberg für Mittelfranken und die Handwerkskammer für Mittelfranken in Nürnberg.
Im Juni 2011 sollen die ersten vier Forschungsbereiche des Energie Campus Nürnberg ihre Tätigkeit aufnehmen. Weitere sechs Forschungsschwerpunkte werden sukzessive in den kommenden Monaten aufgebaut.
Im Forschungsbereich EnCN-Net werden zentrale Systemkomponenten für die Stromnetze der Zukunft beforscht. Dazu zählen hocheffiziente Leistungselektronik sowie zuverlässige Informations- und Kommunikationstechnik und Energieflusssteuerung. Der Forschungsbereich EnCN-Simulation befasst sich mit der Modellierung, Analyse, Simulation und
Optimierung von Energieketten und Energienetzen. Im Fokus des Forschungsbereiches EnCN-Process stehen energieeffiziente Maschinen- und Antriebskonzepte. Die EnCNSolarfabrik der Zukunft beschäftigt sich mit druckbarer organischer und anorganischer Photovoltaik der nächsten Generation.
Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, hebt hervor, dass mit dem Energie Campus Nürnberg einer der acht Forschungsschwerpunkte der FAU organisatorisch und demnächst auch räumlich eine deutlich sichtbare Gestalt am Standort Nürnberg annimmt. „Im Energie Campus Nürnberg
verbinden sich ein wichtiges Kompetenzfeld der Metropolregion und die wissenschaftliche Stärke der FAU und ihrer Partner auf geradezu idealtypische Weise.“ Weiter führt er aus: „Wir freuen uns, dass wir von der FAU, die wir den Energie Campus Nürnberg initiiert haben, heute gemeinsam mit unseren Partnern den offiziellen Startschuss feiern können. Als führende technisch-wissenschaftliche Einrichtung in der Metropolregion Nürnberg verfügt unsere Universität über Kompetenz in der Energieforschung mit mehr als 40 Professoren. So sollen unter Federführung der FAU und mit Professor Arlt als EnCN-Sprecher rund 50 Prozent der Projekte des Energie Campus bearbeitet werden. Die FAU etabliert sich mit Nürnberg als Technologie-Standort weiter für die Zukunft.“
Ins Visier haben die Forscher die gesamte Energieversorgungskette genommen, erklärt Prof. Dr. Michael Braun, Präsident der Ohm-Hochschule: „Unser Forschungskonzept ist so in Deutschland einmalig. Wir verbinden die Gesamtbetrachtung der Energiekette – von der
Energieerzeugung über den Transport bis zur Nutzung – mit technisch-wissenschaftlichen Einzelaspekten und einer profunden gesellschaftlichen Begleitforschung, um simultan abzuprüfen, dass das, was unsere Ingenieure entwickeln, auch gesellschaftlich tragfähig ist.
Als Hochschule für angewandte Wissenschaften verfügen wir über ein umfangreiches Netzwerk von Unternehmenspartnern im Forschungs- und Entwicklungsbereich. Die Stärke der Ohm-Hochschule liegt im Transfer der Ergebnisse der Grundlagenforschung in Produkte und Dienstleistungen für die Industrie. Erst marktfähige technische Innovationen schaffen neue Arbeitsplätze.“
Prof. Dr. Heinz Gerhäuser, Leiter des Fraunhofer IIS, hebt die Wichtigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen verschiedensten ingenieurwissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Disziplinen hervor. „Für die Energieversorgung von morgen lassen sich deren einzelne Aspekte nicht mehr isoliert betrachten. Mit Forschungsarbeiten im Projekt Net wollen wir zusammen mit unseren Kollegen von Fraunhofer IISB, der FAU und der Ohm-Hochschule die Nutzungsmöglichkeiten dezentral erzeugter Energien entscheidend verbessern. Die Optimierung des Gesamtsystems ist die große Herausforderung, der wir uns stellen wollen zum Nutzen der Bevölkerung und Wirtschaft in Bayern.“
„Das Stromnetz ist ein sehr gutes Beispiel für die Komplexität unserer Energieversorgung:
Verteilnetz, Erzeuger, Verbraucher und Speicher elektrischer Energie wechselwirken verstärkt und in alle Richtungen miteinander. Dies erfordert eine intelligente Steuerung und Regelung sowie verlustminimierte Energiewandlung verbunden mit entsprechenden Dienstleistungen“, ergänzt Prof. Dr. Lothar Frey, Leiter des Fraunhofer IISB. „Der Energie
Campus Nürnberg bietet dabei die ideale Plattform für die Erarbeitung von weltweit anerkannten Lösungen sowie für die weitere Stärkung der Präsenz der Fraunhofer-Gesellschaft in der Region mit einem der größten Standorte bundesweit."
Prof. Dr. Christoph J. Brabec, Leiter der Abteilung Thermosensorik und Photovoltaik des ZAE Bayerns, freut sich über den Start des Energie Campus Nürnberg. „Energieforschung muss nachhaltig, interdisziplinär und international sichtbar sein. Die Tätigkeiten am Energie Campus werden einen wesentlichen Beitrag liefern, um den Weg in eine erneuerbare Energieversorgung ressourcenschonend und versorgungssicher zu beschreiten. Besonders am Herzen liegt uns, die Technologien zur Erzeugung von Sonnenstrom wie etwa Photovoltaik oder Solarthermie günstiger und grundlastfähig zu machen.“
Der Energie Campus Nürnberg ist das größte Teilprojekt innerhalb des Strukturprogramms des Freistaates Bayern für die Städte Nürnberg und Fürth, das zur Kompensation der Folgen der Quelle-Insolvenz aufgelegt wurde. Der Freistaat Bayern unterstützt den Auf- und Ausbau der Forschungsplattform in den ersten fünf Jahren mit 50 Mio. €. Mit diesen Mitteln werden Forschungsprojekte durchgeführt und neue Forscher nach Nürnberg geholt. Insgesamt liegen bereits für die ersten fünf Jahre Forschungsmittel für über 100 Personen vor.
„Damit wird ein wichtiger Struktureffekt für Nürnberg erzielt“, erklärt Wirtschaftsreferent Dr. Fleck. „Mit dem Energie Campus Nürnberg schaffen wir ein international anerkanntes Forschungszentrum für Energiefragen, das unseren Unternehmen Innovationen und unseren Bürgern Arbeitsplätze bringt.“
Die beteiligten Forschungspartner und die Vertreter der Stadt Nürnberg sowie der Kammern danken der Bayerischen Staatsregierung für die Bereitstellung der Fördermittel, um das Leuchtturmprojekt Energie Campus Nürnberg realisieren zu können.
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